Sportbund Rheinhessen als Vorreiter im rheinland-pfälzischen Sport

Mitgliederversammlung beschließt Satzungsänderung ohne Gegenstimme – Umzug nach Ingelheim rückt näher

v.l.n.R. Florian Düx (Vorsitzender Sportjugend), Axel Rolland (Vertreter Nahe-Vereine), Nicole Muth, Frank Heilemann, Ulrike Cohnen, Till Pleuger, Klaus Kuhn (Präsident), Rainald Kauer und Thorsten Richter

Es herrschte große Freude in der Führungsriege des Sportbundes Rheinhessen. Jahrelange Vorbereitung mit unzähligen Arbeitsstunden wurden verabschiedet und für gut befunden: Ohne Gegenstimme votierten die Delegierten bei der Mitgliederversammlung für die neu erarbeitete Satzung, mit der die Rheinhessen nicht weniger als einen Quantensprung im rheinland-pfälzischen Sport unternehmen. Durch die Neuregelung wandert der BGB-Vorstand vom Präsidium in die Geschäftsstelle, während das Präsidium künftig als Kontrollgremium das Handeln der Geschäftsführung überwacht. Darüber hinaus stellte die Ingelheimer Stadtbürgermeisterin Eveline Breyer erste gemeinsame Pläne eines „Haus der Vereine“ im Blumengarten vor, der Haushalt wurde verabschiedet und die Mitglieder gaben Mittel zur Gründung einer Stiftung frei. Alles wurde ohne Gegenstimme genehmigt.

Was ist mit der neuen Satzung gewonnen? Genau diese Frage stellte und beantwortete Joachim Friedsam der Versammlung. Der ehemalige Geschäftsführer des Sportbundes Rheinhessen erläuterte: „Wir haben ca. 20 Mitarbeiter auf der Geschäftsstelle, die einiges bewegen können, aber vom Präsidium getrennt sind. Die Informationen gehen auf der Geschäftsstelle ein, müssen danach ins Präsidium transportiert werden. Dabei haben wir ein Informationsgefälle. Dieser Prozess verbraucht Arbeitskraft und schränkt den Wirkungsgrad ein. Zudem besteht ein Zeitversatz, weil erst im Präsidium eine Entscheidung fallen muss und Prozesse dadurch verzögert werden.“ Ziel war es also, den Wirkungsgrad zu verbessern, um dem Energieverlust im Innenbereich des Sportbundes entgegenzuwirken. „Wir haben uns für ein Modell entschieden, dass unserer Meinung nach das progressivste ist und sich in der Wirtschaft bewährt hat.“

Das neue Modell ist also effizienter, da die Entscheidungen dort getroffen werden, wo die Informationen eingehen und wo die Fachleute sitzen. Dies unterstrich auch Dr. Falko Zink in seinen Erläuterungen zur Satzungsneufassung: „Diejenigen, die operativ tätig sind und die aufgrund ihrer fachlichen Eignung in die Geschäftsführung eingetreten sind, tragen auch die Verantwortung.“ Der Rechtsanwalt hatte die Ausarbeitung der neuen Satzung in beratender Funktion begleitet und zeigte an einigen Beispielen auf, welche Risiken im alten Modell für das Ehrenamt enthalten waren. „Ehrenamtler können nie so nah am Geschehen sein wie die Geschäftsführung. Die Abkehr von haftungsrechtlicher Verantwortung des Ehrenamts ist mittlerweile weit verbreitet.“ Zink stellte auch klar, dass die Mitgliederversammlung das höchste Organ im Sportbund bleibt.

„Der eine wartet, bis die Zeit sich wandelt, der andere packt kräftig an und handelt.“ Mit diesen Worten warb Präsidiumsmitglied Rainald Kauer für die neue Satzung, die er als „Benchmark“ für andere Verbände bezeichnete. „Mutige Menschen haben kreativ nach vorne gedacht“, zeigte er sich stolz auf den Impuls, den das Präsidium setzte und dem viele folgen würden. Die Vorreiterrolle des Sportbundes Rheinhessen unterstrich auch LSB-Präsident Wolfgang Bärnwick, der die Satzungsreform ausdrücklich unterstützte. „Die Reform trägt den Abläufen im SBR Rechnung. Die anderen Verbände im Land schauen sich das genau an und im LSB Präsidium haben wir uns ebenfalls mehrheitlich für diesen Weg ausgesprochen.“, stellte er in Aussicht, dass der rheinhessische Sport mit seiner Neuerung nicht lange allein bleiben werde.

Die Überzeugungsarbeit zahlte sich aus, denn die Delegierten nahmen die neue Satzung ohne Gegenstimme an. Ihr Vertrauen ins Präsidium zeigten sie auch bei den anschließenden Wahlen, bei denen alle Mitglieder wiedergewählt wurden. Klaus Kuhn, der vor drei Jahren für den zurückgetretenen Helmut Graf von Moltke in die Bresche gesprungen war, wurde für seine bislang kommissarisch ausgeübte Arbeit mit viel Lob bedacht und einstimmig zum Präsidenten gewählt. Für die weiteren Präsidiumsmitglieder sieht die neue Satzung keine Ressorts mehr vor, sondern es können bis zu sieben Vize-Präsidenten gewählt werden. Die bisherigen sechs Vize-Präsidenten Nicole Muth, Ulrike Cohnen, Till Pleuger, Rainald Kauer, Daniel Heid und Frank Heilemann stellten sich zur Wiederwahl und wurden allesamt ohne Gegenstimmen ins neue Präsidium berufen. Ergänzt wird das Präsidium durch den Vertreter der Nahevereine im Südwestdeutschen Fußballverband, Axel Rolland, und den Abgesandten der Sportjugend, Florian Düx, die beide vorab in ihren Gremien bereits gewählt worden waren. Thomas Biewald stellte sich nicht mehr zur Wahl.

Das zweite große Thema der Mitgliederversammlung war der Umzug des Sportbundes nach Ingelheim, der mittlerweile fast beschlossene Sache ist. Letzte Hürde ist die politische Entscheidung im Ingelheimer Stadtrat, für die Bürgermeisterin Eveline Breyer sich aber optimistisch zeigte. „Es gab bislang keinen Widerspruch, weshalb ich davon ausgehe, dass die Umsetzung des Masterplans noch vor den Sommerferien beschlossen wird.“ Zuvor hatte Breyer zwei Varianten aufgezeigt, wie im Ingelheimer Blumengarten gebaut werden könnte. Baurecht für das Haus der Vereine, in dem die neue Geschäftsstelle unterkommen würde, ist bereits gegeben, sodass die Detailplanung sofort nach der Abstimmung im Stadtrat – so diese denn positiv ausfällt – starten kann. Über die Finanzierung gab Geschäftsführer Thorsten Richter Auskunft, der einen überarbeiteten Finanzplan vorlegte. „Aufgrund der aktuellen Kostenentwicklung in der Bauwirtschaft planen wir Preissteigerungen von 25 Prozent mit ein und bleiben damit immer noch unter den 3,5 Millionen Euro, die von der außerordentlichen Mitgliederversammlung im Dezember freigegeben wurden.“ Abzüglich möglicher Fördermittel und einer Million Euro Eigenkapital (in die der Erlös aus dem Verkauf der Sportschule Seibersbach eingerechnet ist) verbleibt somit ein Finanzierungsbedarf von rund zwei Millionen Euro. „Seien sie versichert: Wir schauen genau hin und werden uns nicht zu hoch verschulden“, versprachen Kuhn und Richter unisono. Zustimmung erhielt das Präsidium auch für die Beschlussvorlage, 25.000 Euro aus dem Verkauf der Sportschule Seibersbach als Sockelbetrag für die Gründung der „Sportstiftung Rheinhessen/Nahe“ zu verwenden.

Die einzige Ehrung des Tages führte Wolfgang Bärnwick durch, der dem Sportkreisvorsitzenden der Stadt Worms, Manfred Pfeiffer, die bronzene Ehrenmedaille des Landessportbundes überreichte. Stehende Ovationen gab es aber für Joachim Friedsam, der anderthalb Jahre nach seinem Ausscheiden offiziell verabschiedet und noch einmal für seine als Geschäftsführer geleistete Arbeit gewürdigt wurde. „Danke für die hilfreiche Unterstützung bei der Satzungsreform und für 15 Jahre produktiver Zusammenarbeit mit vielen guten Gesprächen. Ich verspreche dir, den von dir eingeschlagenen Weg weiterzugehen“, versicherte sein Nachfolger Thorsten Richter. Friedsam zeigte sich tief bewegt und bedankte sich, indem er die Leistung der Gemeinschaft hervorhob: „In der Corona-Zeit sind alle eng zusammengerückt. Das steht exemplarisch für den Sport und so sollten wir bleiben.“ Ein besseres Schlusswort fand dann auch Präsident Klaus Kuhn nicht mehr, der nach fast vier Stunden die Versammlung schloss und zufrieden Bilanz zog: „Ich bin glücklich, dass die Mitglieder der Satzungsreform zugestimmt haben. Wir brechen nun auf in ein neues Zeitalter im Sportbund Rheinhessen, haben mit dem Umzug nach Ingelheim aber schon die nächste große Herausforderung vor der Brust.“


Überwältigende Mehrheit für Umzug nach Ingelheim

Überwältigende Mehrheit für Umzug nach Ingelheim

Mitgliederversammlung des Sportbundes Rheinhessen ermächtigt Präsidium, Planungen fortzusetzen

 

Der Sportbund Rheinhessen kann die Planungen für einen Umzug seiner Geschäftsstelle nach Ingelheim weiter vorantreiben. In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung gab nach einer umfangreichen Diskussion die Mehrheit der Mitglieder ein entsprechendes Votum ab und gab dem Präsidium auch die Möglichkeit, eine neue Geschäftsstelle mit Mitteln von bis zu 3,5 Millionen Euro zu planen. „Wir freuen uns über die Zustimmung der Mitglieder für alle vorgelegten Beschlüsse. Die kritischen Stimmen werden wir aufnehmen und weiter transparent bleiben. Den von uns gestarteten Prozess gehen wir gemeinsam weiter.“, dankte Sportbund Präsident Klaus Kuhn den Mitgliedern für das entgegen gebrachte Vertrauen. Eine deutliche Mehrheit erhielten die Beschlussvorlagen eins und vier mit denen das Präsidium ermächtigt wird, auch außerhalb des in der Satzung vorgegebenen Sitzes Mainz nach einem Ort für die Geschäftsstelle zu suchen und den Bau einer kleinen Turnhalle als Ersatz für die Sportschule Seibersbach zu prüfen. Etwas mehr Gegenwind erhielten die Beschlussvorlagen zwei und drei, wenngleich es bei deutlichen Mehrheitsverhältnissen blieb. Erstere ermächtigt das Präsidium, eine rechtsverbindliche Zusage für einen Standort geben zu dürfen, letztere gibt für den Neubau Mittel bis zu maximal 3,5 Millionen frei. Immerhin 111 Stimmen betrug die Mehrheit noch für den „knappsten“ Beschluss Nummer drei (369:258 Stimmen bei 86 Enthaltungen).

 

„Wir wollten keinen Blanko-Scheck, im Gegenteil, wir möchten unseren Mitgliedern zusichern, dass wir nur bis zu dieser Summe planen und nicht darüber hinaus. Sollte die neue Geschäftsstelle teurer werden, geht es wieder über die Mitgliederversammlung“, erklärte Geschäftsführer Thorsten Richter. Die Bürgermeisterin der Stadt Ingelheim, Eveline Breyer, unterstrich, dass die Beschlussvorlage ein deutliches Zeichen des Sportbundes wäre. „Wenn uns die Machbarkeitsstudie im Frühjahr vorliegt, wird im Stadtrat ein konkreter Beschluss gefasst, wie die Planung aussehen soll.“ Zuvor wird ein Letter of Intend die Marschroute festlegen und die Bedürfnisse beider Seiten zusammenfassen. „Wir sehen hier sehr gute Synergieeffekte in der Zusammenarbeit mit der Stadt Ingelheim und auch dem dortigen Stadtsportverband“, so Richter.

 

Die momentane Situation im Ingelheimer Blumengarten war zu Beginn in einem Einspieler vorgestellt und von Kuhn erläutert worden. „Wir haben uns andere Standorte angesehen und präferieren ganz klar Ingelheim“ Genau wie Richter versicherte auch Kuhn, dass keine Kosten auf die Vereine umgelegt werden. Somit standen sich letztlich die Ansichten gegenüber, dass der Sportbund von seinen Mitgliedern ein Votum wünschte, um die Planungen weiter voranzutreiben, während einige Mitglieder erst die Planungen sehen möchten, bevor sie bereit sind, diesen zuzustimmen. Es folgte die Abstimmung, die dem Präsidium schließlich den gewünschten Rückhalt brachte, mit dem der Stadt Ingelheim nun das Signal gegeben wird, dass der Sportbund Rheinhessen sich im Blumengarten ansiedeln möchte und darf. Jetzt wird die Machbarkeitsstudie der Stadt erstellt, diese prüft die Umsetzung der Ansiedlung des Sportbundes Rheinhessen im Blumengarten. Im Frühjahr 2022 soll es dazu die ersten Ergebnisse geben.

 

Im zweiten Teil der außerordentlichen Mitgliederversammlung stellten Sportbund Vizepräsident Rainald Kauer und der ehemalige Geschäftsführer Joachim Friedsam den Entwurf für eine neue Satzung vor. Kernpunkt der Änderungen ist der Übergang des Vorstands nach §26 BGB vom Präsidium auf die Geschäftsführung. „Bisher hat das Präsidium alle Entscheidungsgewalt in seinen Händen. Die Geschäftsstelle war ausschließlich Werkzeug des Präsidiums. Dies wollen wir ändern, denn wir sind der Meinung, da wo die Profis sitzen, sollen auch die Entscheidungen getroffen werden und da liegt dann auch die Verantwortung für dieses Handeln. Das Präsidium wurde in der Vergangenheit sehr stark belastet, was für ein Ehrenamt nicht mehr tragbar ist“, erklärte Friedsam. Somit wäre in Zukunft eine aus zwei Personen bestehende Geschäftsführung federführend und das Präsidium würde zu einer Art Aufsichtsrat. „Das Präsidium wird kleiner, fachlicher, effizienter und übernimmt die Kontrollfunktion. Es bestellt und beruft den hauptamtlichen Vorstand“, erläuterte Kauer. In der Satzung ist auch festgehalten, dass der Vorstand sich eine Geschäftsordnung gibt, die vom Präsidium genehmigt werden muss. Sollten die Mitglieder Änderungswünsche haben, können diese bis zum 15. Februar eingereicht werden, sodass nach deren Bearbeitung bis zur Hauptausschusssitzung am 5. April die neue Satzung konsensfähig sein soll. Endgültig abgestimmt wird über die neue Satzung dann bei der ordentlichen Mitgliederversammlung am 11. Juni 2022.


Sportbund-Präsident Klaus Kuhn steht in einem Interview Rede und Antwort zur außerordentlichen Mitgliederversammlung

Mitglieder des Sportbunds Rheinhessen sollen entscheiden, wo die Reise hingeht 

Der Sportbund Rheinhessen (SBR) hat für den 13. Dezember zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung geladen. Der nötig gewordene Umzug der Geschäftsstelle und eine geplante Satzungsreform stehen zur Debatte. Sportbund-Präsident Klaus Kuhn steht vorab in einem Interview Rede und Antwort zu den Hintergründen. 

Der Sportbund Rheinhessen sucht ein neues Zuhause. Was steckt dahinter und welche Optionen stehen zur Auswahl? 

Derzeit sind wir in der Mainzer Rheinallee Untermieter des Landessportbundes. Doch das „Haus des Sports“ ist sanierungsbedürftig und wird verkauft. Der Landessportbund wird in Mainz in der Nähe des Europakreisels neu bauen und wir hätten die Möglichkeit, dort mit einzuziehen. Allerdings müssen wir dabei berücksichtigen, dass wir demnächst mit der Sportschule Seibersbach unser Trainings- und Ausbildungszentrum abstoßen wollen und dafür einen Ersatz benötigen. Das Präsidium des Sportbundes hat deshalb nach Alternativen gesucht, bei denen wir geeignete Sportstätten für unsere Ausbildungsmaßnahmen vorfinden und eine solche in Ingelheim gefunden. Hier entsteht fast zeitgleich ein Sportpark mit einem Haus der Vereine, in das wir unsere neue Geschäftsstelle integrieren könnten. Andere Lösungen, die wir überlegt hatten, sind noch deutlich weiter von einer Umsetzung entfernt wie in Ingelheim der Sportpark. 

Welche Lösung bevorzugt das Sportbund-Präsidium? 

Für uns stellt sich die Frage, wo wir unsere Kernaufgaben künftig am besten erfüllen können? In Ingelheim entsteht rund um die bereits bestehende Sportanlage im Blumengarten ein Sportpark mit Laufbahn, Bolzplatz, Tagungsräumen und weiteren Angeboten. Im Zentrum der Planung steht ein neues Haus der Vereine mit Lagerflächen für den Sport. Bereits vorhanden sind ein Rasensportplatz mit Laufbahn und Sprunggrube sowie ein Kunstrasenplatz, ein Kleinspielfeld und Beachvolleyball-Felder. In die Stadion-Tribüne sind Lager- und Sanitärräume integriert und in direkter Nachbarschaft ist ein Freibad mit Gastronomie. Wenn wir nach Ingelheim ziehen und im Haus der Vereine unsere neue Geschäftsstelle einrichten, können wir die benachbarten Sportstätten für unsere Trainings- und Ausbildungsmaßnahmen nutzen – ein klarer Vorteil gegenüber dem Standort Mainz.  

Das hört sich so an, als wäre der Umzug mit dem LSB keine wirkliche Alternative. 

Das Präsidium des Sportbundes Rheinhessen hat sich klar positioniert und eine räumliche Trennung vom LSB beschlossen. Ein entscheidendes Argument ist die Sichtbarkeit im organisierten Sport, die dem Sportbund Rheinhessen bislang fehlt. Vier starke Sportbünde helfen dem organisierten Sport mehr, zu diesem Entschluss kamen wir im Präsidium. Es stärkt unsere Position gegenüber Partnern, Politik und der Öffentlichkeit im Sinne unserer Vereine und Fachverbände. Ganz pragmatisch gilt außerdem: Finanziell ist es uns nicht möglich, den Umzug in eine neue Geschäftsstelle – ob in Miete oder Selbstbau – zu realisieren und nebenbei auch noch die Sanierung der Sportschule Seibersbach zu stemmen. Wir haben in Mainz aber keine Sportanlagen in näherer Umgebung und müssten dann weiter nach einem Ersatz für die Sportschule suchen. Während wir in Ingelheim selbst bauen könnten, müssten wir in Mainz Miete zahlen, deren Höhe sich am stark gestiegenen Mainzer Mietspiegel orientieren würde. Das Präsidium des Sportbunds Rheinhessen empfiehlt ganz klar einen Umzug nach Ingelheim. Wir haben die außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen, um dort einen Grundsatzbeschluss dafür zu fassen. Die Vertreter der Fachverbände und Vereine werden mit ihrem Votum darüber entscheiden, in welche Richtung wir unsere Planungen vorantreiben.  

Das wird durchaus kontrovers diskutiert… 

Das ist richtig, gut so und gewollt. Wir wollen überzeugen und möglichst viele mitnehmen mit unseren Argumenten. Aufgrund der Dringlichkeit und der Kürze der Zeit ist das nicht ganz einfach. Wir spüren natürlich, dass der Sport am Ende doch oft sehr politisch gelebt wird. Viele Einzelinteressen und auch einige sehr auf sich zugeschnittene Meinungen prägen in Teilen die Diskussion. Das erfordert viele Termine, Gespräche und Abstimmungen. Am Ende muss unser Präsidium Vorlagen liefern, die vieles berücksichtigen. Deshalb sind alle Regionen im Präsidium vertreten und auch die Sportkreisvorsitzenden eingebunden. Wir sind ein Dachverband für fast 270 000 Mitglieder in rund 890 Vereinen, die in 60 Fachverbänden organisiert sind. Unsere Geschäftsprozesse und Kernaufgaben müssen sichergestellt sein, dann können wir bestmöglich für alle arbeiten. Das glauben wir durch unsere tägliche Erfahrung in Haupt- und Ehrenamt sehr gut bewerten zu können und mit unserem Weg sicherzustellen. Darum geht es uns bei dem Umzug. Der Grundsatzbeschlussantrag dafür liegt auf dem Tisch.  

Der zweite wichtige Punkt auf der Tagesordnung der außerordentlichen Mitgliederversammlung ist eine angestrebte Reform der Sportbund-Satzung. Um was genau geht es dabei? 

Wir wollen die ehrenamtlich arbeitenden Mitglieder des Präsidiums entlasten und dem Hauptamt mehr Verantwortung übertragen. Mit diesem Schritt wollen wir die Kompetenzen unserer Mitarbeiter auf der Geschäftsstelle besser nutzen und das Ehrenamt aus der Haftung nehmen.  

Wie weit ist die Reform bereits vorangeschritten? 

Der Entwurf einer neuen Satzung ist vollständig ausgearbeitet und wurde auch schon rechtlich geprüft. Wir werden unsere Mitglieder über den Stand der Dinge in Kenntnis setzen und am 13. Dezember offene Fragen diskutieren. Die endgültige Fassung wird dann in der ordentlichen Mitgliederversammlung am 11. Juni 2022 zur Abstimmung vorgelegt und hoffentlich auch beschlossen.