Sportvereine in Rheinhessen verlieren fast 11.000 Mitglieder

16,53 Prozent weniger Kinder unter 7 Jahren. Leichter Gewinn bei den über 60-jährigen.

Die Corona-Pandemie legt seit einem Jahr den Breitensport und das Vereinsleben nahezu völlig lahm, was nicht ohne Folgen bleibt. Die neuesten Mitgliederzahlen zeigen, dass die Sportvereine wegen ihres fehlenden Angebots schwere Verluste erleiden. Die Bestandserhebung des Sportbundes Rheinhessen mit den Mitgliederzahlen zum 1. Januar 2021 zeigt schwarz auf weiß, dass viele Menschen ausgetreten sind. Den 278.883 Mitgliedern in 886 Vereinen zum 1. Januar 2020 standen im Sportbund Rheinhessen ein Jahr später noch 268.164 Mitglieder in 870 Vereinen gegenüber. Das Minus von 10.719 Mitgliedern entspricht einem Rückgang von 3,84 Prozent, was deutlich über den Zahlen der Vorjahre liegt – im rheinland-pfälzischen Vergleich mit den anderen Sportbünden allerdings auf Augenhöhe ist.

Der höchste Mitgliederstand im Sportbund Rheinhessen war mit 283.910 im Jahr 2013 erreicht. Seitdem waren die Mitgliedszahlen nur minimal schwankend, hatten sich 2020 gegenüber 2019 sogar wieder um 1.420 erhöht. Der starke Verlust des zurückliegenden Kalenderjahres lässt sich klar auf die Pandemie zurückführen. Die verschiedenen Lockdowns und die damit verbundene Einschränkung des Sportangebots verhinderten Neueintritte in die Vereine, die normale Fluktuation wurde dadurch gestört. Die üblichen Austritte wurden nicht durch Eintritte neuer Mitglieder ausgeglichen. Dies ist besonders deutlich bei der Zahl der Kinder und Jugendlichen abzulesen. Konnten die Vereine in der Altersklasse 7 bis 14 Jahre in den vergangenen Jahren ihre Mitgliedszahlen halten oder sogar steigern, erlitten sie dort nun ein Minus von 5,63 Prozent. Nur auf Kinder von null bis sechs Jahren bezogen ist gar ein Einbruch um 16,53 Prozent zu verzeichnen. „Das ist eine alarmierende Zahl, wenn man bedenkt, dass diese Bestandserhebung nur das erste Pandemie-Jahr widerspiegelt, sagt Sportbund Präsident Klaus Kuhn.“  Ein Plus ist erstaunlicherweise bei den Senioren über 60 Jahren zu verzeichnen, deren Zahl um 1,13 Prozent zugenommen hat.

Beim Blick auf die Fachverbände ist zu erkennen, dass die größten Probleme in den Sportarten auftreten, die in der Halle betrieben werden. Allen voran die Kampfsportarten, die aufgrund ihrer körperlichen Intensität und Nähe kein adäquates Training durchführen konnten, vermelden Mitgliederrückgänge im zweistelligen Prozentbereich. Jiu-Jitsu hat fast 75 Prozent seiner Mitglieder verloren, im Judo sind es 22,7 Prozent, beim Boxen 10,5 Prozent. Aber auch die in der Halle betriebenen großen Ballsportarten (Handball, Basketball, Volleyball) verzeichnen Rückgänge, die fast auf identischem Niveau bei etwa 3,5 Prozent liegen. Den höchsten Rückgang in absoluten Zahlen verzeichnet der zweitgrößte Fachverband Turnen, der 3952 oder 5,35 Prozent seiner Mitglieder verliert. Der mit 82.602 Mitgliedern nach wie vor größte Fachverband Fußball kommt auf einen Verlust von 2,46 Prozent. Bei den Sportarten, die zumindest teilweise unter freiem Himmel ausgetragen werden, gibt es auch einige Gewinner: So verzeichnet der Tennisverband als drittgrößter Fachverband ein Plus von 3,85 Prozent, der Alpenverein ein leichtes Plus von 67 Mitgliedern (0,67 Prozent), während die Schwimmvereine trotz Sperrung der Hallenbäder einen Zuwachs von 216 Mitgliedern (2,34 Prozent) aufweisen.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den größten Vereinen im Sportbund Rheinhessen. Zuwächse verzeichnen in den Top Ten lediglich der auf Rang zwei liegende Deutsche Alpenverein, Sektion Mainz, mit einem Plus von 208 Mitgliedern und der Drittplatzierte Schwimmverein Freibad Gimbsheim, der sogar 562 Mitglieder hinzu gewinnen konnte. Größter Verein in Rheinhessen bleibt der FSV Mainz 05, der nach einem Minus von 230 noch 12.059 Mitglieder aufweist. Den höchsten Verlust in absoluten Zahlen verzeichnet der auf Rang vier liegende TSV Schott Mainz, der mit 3509 einen Verlust von 458 Mitgliedern verzeichnet. Insgesamt zeigt sich, dass insbesondere bei den Großsportvereinen über 1000 Mitgliedern ein größerer Verlust zu erkennen ist. Vereine aus dem ländlichen Bereich weisen hingegen eine große Stabilität auf.

 


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