Sport ist die gemeinsame Sprache Druckversion

Nedia Zouari-Ströher ist seit Juni 2016 beim Sportbund Rheinhessen als Ansprechpartnerin für Flüchtlingsfragen über das Programm „Integration durch Sport“ zuständig.

Hallo Nedia, schön, dass Du wieder zurück beim Sport bist. Was genau ist Deine Funktion?
Nedia Zouari-Ströher: Ich bin quasi in zwei Funktionen tätig. Für den Landessportbund Rheinland-Pfalz koordiniere ich die Zusammenarbeit mit den anderen Regionen in dem DOSB-Programm „Integration durch Sport“. In diesem Programm unterstützt der organisierte Sport Vereine, die sich um Menschen mit Migrationshintergrund, Flüchtlinge, Randgruppen, kurz Menschen die Ausgrenzung erleben, kümmern. Diese großen organisatorischen und finanziellen Anstrengungen sollen sicherstellen, dass wir alle Vereine und Fachverbände in Rheinland-Pfalz erreichen. Für den Sportbund Rheinhessen bin ich Ansprechpartnerin und Dienstleister für die Vereine in diesen Fragen.

Zu der Dachstruktur, die Du eben beschrieben hast, geht es also auch in die Regionen. Wie macht Ihr das?
Nedia Zouari-Ströher: Dafür gibt es drei Personen, die das sicherstellen. Milan Kocian als Landeskoordinator hat seinen Sitz in Koblenz und ist im Rheinland eng vernetzt. Janina Knebel ist meine Kollegin in der Pfalz und betreut die Vereine dort in der Region. Ich bin seit Juni Ansprechpartnerin für Rheinhessen.

Wie genau sieht Dein Arbeitstag aus?
Nedia Zouari-Ströher: Aktuell ist es vor allem sehr wichtig, die bestehenden Netzwerke in Rheinhessen sehr gut kennen zu lernen und dort Kontakte zu knüpfen. Das gilt sowohl für den Bereich Sportbereich, aber natürlich auch für öffentliche Träger und caritative Einrichtungen. Für mich ist es auch wichtig, vor Ort zu sein, mit den Vereinen zu reden und zum Beispiel Einblicke in Trainingsgruppen zu erhalten.

In vielen Vereinen gibt es bei Integrationsfragen sicherlich Barrieren und Hemmschwellen…
Nedia Zouari-Ströher: Ja, das ist so. Viele glauben, unüberwindbare Hürden zu erkennen. Die sind aber eigentlich gar nicht so groß. Natürlich ist die Sprache erst einmal ein Handicap, aber bei weitem nicht so ausgeprägt, wie manche annehmen. Sport braucht keine gemeinsame Sprache. Sport ist die gemeinsame Sprache. Handball-Regeln sind überall gleich. Beim Fußball ist es genauso. Und in anderen Sportarten ebenso. Und Spiel und Spaß geht auch ohne Worte.

Wieso hast Du Dich gerade auf diesen Job beworben?
Nedia Zouari-Ströher: Meine Eltern sind seit Ende der 70er als Gastarbeiter aus Tunesien nach Deutschland gekommen. Ich bin ein „tunesisch Binger Mädche“, habe viele Sportarten wie Tennis, Ballett, Synchronschwimmen und Handball selbst gemacht. Dabei habe ich gelernt, dass Sport sehr stark Integration fördert. Dazu kommt, dass meine Sprachkenntnisse und mein Studium sehr genau auf dieses Anforderungsprofil gepasst haben. Ich habe Französisch, Spanisch, Arabisch und Persisch studiert. Spreche also die Sprachen, kenne die Kulturen. Das Thema Integration wurde mir außerdem quasi durch meine Erziehung in die Wiege gelegt. Das ist ein großer Ansporn für mich, sich als Multiplikatorin und Schnittstelle zwischen den Kulturen zu engagieren.

Diese Expertisen haben aber nur wenige. Wie können Vereine sie bei Dir „abrufen“?
Nedia Zouari-Ströher: In dem sie anrufen. Dann komme ich gerne vorbei und wir finden vor Ort gemeinsam Lösungen. Eventuell, und dass hoffe ich für die Zukunft, haben wir in unseren Sportkreisen schon bald so gute Strukturen, dass wir mit Netzwerkpartner gemeinsam tätig werden können. Zum Beispiel denken Integrationslotsen bei Freizeitaktivitäten für Flüchtlinge fast reflexartig an den Sportverein in der Kommune. Deshalb ist der Run auf die Vereine in vielen Gemeinden spürbar. Das geht weit über den sportlichen Bereich hinaus. Gemeinsame Ausflüge und Feste spielen dabei eine ebenso große Rolle. Das soziale Miteinander ist extrem wichtig. Hier wollen wir natürlich helfen und unterstützen.

Angenommen, ich bin Verein xy und möchte eine gemischte Trainingsgruppe mit Flüchtlingen gründen? Personal und Geld fehlt aber. Wie wird mir geholfen?
Nedia Zouari-Ströher: Das Personal können wir nicht stellen, aber bei der Finanzierung übernehmen wir zum Beispiel die Übungsleiterpauschale. Für Feste stellen wir unser Spielmobil zur Verfügung, ein Teil der Verwaltungskosten wird übernommen, und vieles mehr. Allerdings müssen wir wie bei allen Programmen genau hinsehen, wo was wie möglich ist. Und das klären wir im persönlichen Gespräch.

Nedia Zouari-Ströher ist telefonisch unter 06131 / 28 14 438 zu erreichen.

Das Interview führte Thorsten Richter