Mit Handicap beim Deutschen Turnfest in Berlin Druckversion

Angelika war immer mitten drin, bei allen Turnfesten der letzten 9 Jahre und in diesem Jahr gab es ein Jubiläum, das 10. Turnfest! Mittlerweile ist sie Rollifahrerin und die Bedenken vorher waren groß, ob es möglich sein wird, das 10. Jubiläum in Berlin zu feiern. Sie hat darüber einen kleinen Bericht geschrieben…

Ich als Rollifahrerin auf dem Deutschen Turnfest? Nicht extern über den Behindertensportverband (was mir zuerst angeboten wurde), sondern mit meinem Heimatsportverein ganz inklusiv mit allen gesunden, nicht gehandicapten Teilnehmern. Nicht extern im Hotel oder einer externen Pension, sondern im Massenquartier in der Schule und das, obwohl ich auf den Rollstuhl angewiesen bin.

Es hat mich riesig gefreut, dass es Menschen gibt denen es wichtig ist, dass ich – wie bei den vergangenen Turnfesten – auch jetzt wieder dabei sein werde.

Ich muss sagen, etwas mulmig war mir schon. Habe ich wirklich Menschen dabei, die mir mit meinen Einschränkungen behilflich sein werden? Wie wird es organisatorisch zu machen sein? Wird immer jemand da sein, der/die behilflich ist?

Aber es heißt ja: Inklusion muss laut sein, dann bekommt man auch Unterstützung…

Bereits im Vorfeld musste ich Geduld haben und immer wieder nachfragen, z.B. in der Schule, in der meine Gruppe mit mir untergebracht werden sollte. Die Dame am Telefon bestätigte mit meine Frage nach einem Aufzug mit „Ja – und manchmal funktioniert er auch!“ Ups – na hoffentlich wird er funktionieren…

Was habe ich so alles erlebt, auf einem Rasenplatz in einem Stadion kam mein Rolli mit einem Rad in ein Loch und – schwups – fiel ich kopfüber nach vorne. Oder in einem Restaurant musste man auf einem Barhocker sitzen und sein Essen an der Theke abholen, Getränke auch. Ich wollte ein Glas Rotwein trinken und habe meine jugendlichen Begleiter gebeten, mir eines zu holen. Sie bekamen wegen ihrem Alter aber nichts, so musste ich mit nach vorne rollen und dem Personal Bescheid geben, dass der Rotwein für mich ist. Kleine Gegebenheiten, die in diesem Moment gelöst werden müssen. Übrigens: Der Aufzug in der Schule funktionierte und die dortigen Betreuer waren sehr hilfsbereit und freundlich!

Fazit: Es war immer jemand da, der/die geholfen hat, oder nicht lockergelassen hat, eine Lösung für gewisse Situationen zu finden. Viel positives Feedback habe ich dafür bekommen, dass ich dabei war.  Alle Mitstreiter aus den vergangenen Jahren haben sich gefreut, wieder gemeinsam mit mir Spass zu haben, dass Leben zu genießen und dass ich teilhaben kann an den schönen Dingen des Lebens.

Nun wird sicher mancher fragen „was hat DIE denn da gemacht?“ Meine Antwort: Das, was ich an allen anderen Turnfesten auch gemacht habe: Kinder und Jugendliche betreut und mich fortgebildet. Der Unterschied zu früher war diesmal nur: Ich habe betreut und ich WURDE betreut. Ja – genau – von Kindern und Jugendlichen, die mich tapfer unterstützt haben.

Ich möchte allen Rollischiebern und hilfereichen Menschen vom „Mombacher Turnverein“ danken, die mir die Teilnahme am Turnfest ermöglicht haben. Teilhabe und Inklusion sind möglich, wenn der Heimatverein Dir hilfreich zur Seite steht.