Ein Vorbild setzt sich zur Ruhe Druckversion

Nach 50 Jahren gibt Herbert W. Hofmann seine letzten Ämter im Sportbund Rheinhessen auf

Er ist ein Ehrenamtler wie er im Buche steht. Ein Ehrenamtler wie ihn jeder Verein und jeder Verband sich wünscht, wie die Gesellschaft ihn braucht. Genau 50 Jahre stand Herbert W. Hofmann im Dienst des Sportbundes Rheinhessen. Sein Goldenes Jubiläum nimmt der Wormser nun zum Anlass, sich zu verabschieden und seine letzten Ämter im Verband niederzulegen – „altersbedingt“, wie der 86-Jährige selbst betont.

Es war eine ganz besondere Mitgliederversammlung, in der Herbert W. Hofmann am 15. Mai 1971 als Beisitzer in den Vorstand des Sportbundes Rheinhessen gewählt wurde. Damals stellte sich der Gründungsvorsitzende Hans Delnef nach 22 Jahren im Amt nicht mehr zur Wahl und wurde zum ersten Ehrenvorsitzenden des Sportbundes Rheinhessen ernannt. Eine Auszeichnung, die Hofmann 35 Jahre später auch widerfahren sollte. Bis dahin arbeitete er zunächst 15 Jahre als normales Vorstandsmitglied. Als 1978 das Ressort-Prinzip eingeführt wurde, übernahm der gelernte Bankkaufmann das Ressort Recht und Steuern, 1986 das Ressort Breiten- und Freizeitsport. Ab 1986 fungierte er auch als Vize-Präsident, bis er 1998 zum alleinigen Präsidenten des Sportbundes Rheinhessen gewählt wurde. Bereits ein Jahr zuvor hatte Hofmann nach dem plötzlichen Tod von Walter Grüning gemeinsam mit Max Munz kommissarisch die Führung des Verbandes übernommen. Nach acht Jahren als Präsident wurde Hofmann 2006 zum Ehrenpräsidenten ernannt. Für den Sportbund war er im Anschluss noch im Ehrungs-Ausschuss tätig und er vertrat den SBR auch weiterhin als Repräsentant bei Vereinsveranstaltungen, wo er schon zuvor viele Tausend Stunden verbracht hatte. „Er ist wohl der profundeste rheinland-pfälzische Kenner des Ehrungswesens im Sport, das er nicht als Nebensache betrachtete, sondern als ‚soziale Währung‘ für ehrenamtlich erbrachte Leistungen. Aus seiner Sicht waren wir als Vertreter des Sportbundes es den Vereinen auch schuldig, bei ihren Jubiläen aufzutauchen und persönlich zu gratulieren. Seine Pflichten als Repräsentant nahm er sehr ernst“, erinnert sich Joachim Friedsam. Der ehemalige Geschäftsführer des SBR arbeitete mehr als 30 Jahre eng mit Hofmann zusammen und bezeichnet ihn als „sehr liebenswerten Menschen, dem Anstand und Loyalität sehr wichtig waren. Er hat für diese Werte gestanden und sie auch von seinem Umfeld erwartet.“ Friedsam kennt Hofmann zudem als harmoniebedürftigen Menschen, der lieber den Ausgleich als den Streit suchte. „Wenn es sich nicht umgehen ließ, konnte er Konflikte aber auch sehr energisch austragen. Da hat er nicht zurückgezogen und seinen Mann gestanden. Herbert W. Hofmann ist einer der herausragenden Sportfunktionäre der letzten 40 Jahre in Rheinland-Pfalz.“

Große Verdienste für den Sport erlangte Herbert W. Hofmann nicht nur beim Sportbund Rheinhessen. Auch in seinem Heimatverein TG 1846 Worms, dem er 1938 im Alter von vier Jahren beitrat, leistete er über Jahrzehnte wertvolle Vorstandsarbeit. Ab 1958 war für 30 Jahre Mitglied im Bau- und Finanzausschuss, von 1962 bis 1980 Schatzmeister und von 1980 bis 1988 Erster Vorsitzender des zu dieser Zeit größten Sportvereins in Rheinhessen, der ihn im Anschluss ebenfalls zum Ehrenvorsitzenden ernannte. Beim Landessportbund Rheinland-Pfalz ist Hofmann seit 2014 Ehrenmitglied, nachdem er auch hier 35 Jahre in mannigfaltigen Funktionen mitgearbeitet hatte: Beginnend 1971 als Mitglied im Ausschuss Recht und Steuern (bis 1987), war er von 1978 bis 2006 Mitglied in der Landessportkonferenz Rheinland-Pfalz. Von 1984 bis 1998 war er Mitglied im Präsidium des LSB und Vorsitzender des Ausschusses Breiten- und Freizeitsport. Von 1998 bis 2006 bekleidete er das Amt des Vize-Präsidenten und war in dieser Zeit im Auftrag des LSB in zahlreichen Gremien tätig.

Auch für den Deutschen Sportbund war Hofmann aktiv und fungierte von 1984 bis 2003 als Kassenprüfer der Willi-Weyer-Akademie Berlin, der Führungs- und Verwaltungsakademie des DSB. Zudem war er im Rheinhessischen Turnerbund von 1968 bis 1984 Beisitzer im Vorstand und von 1984 bis 1998 Stellvertretender Vorsitzender, woraufhin er 1998 zum Ehren-Vorstandsmitglied ernannt wurde. Beim größten Sportförderer im Land, Lotto Rheinland-Pfalz, war Hofmann Mitglied des Verwaltungsrats (1988-2005) und Mitglied der Gesellschafterversammlung (2005-2007).

Keine Frage, dass bei solch einer Anhäufung von Ehrenämtern auch die entsprechenden Würdigungen nicht ausblieben, von denen hier nur einige genannt seien: So erhielt Hofmann vom Sportbund Rheinhessen bereits 1984 die Ehrennadel in Gold und 2010 eine Ehrengabe. Der Landessportbund verlieh im 1991 die Ehrenplakette in Gold, das Land Rheinland-Pfalz 1993 die Sportplakette und 2006 den Verdienstorden des Landes sowie den Sportobelisk des Ministeriums des Inneren und für Sport. Das Bundesverdienstkreuz wurde ihm gleich zweimal verliehen, 1987 am Bande und 1999 erster Klasse. Auch in seiner Heimatstadt Worms wurden Hofmann zahlreiche Auszeichnungen zuteil, unter anderem die Verdienstmedaille der Stadt (1994), die Ehrennadel für Stadtratszugehörigkeit in Gold (2004) und die Sportmedaille in Platin (2008).

Hohes Ansehen genoss der vierfache Vater auch bei seinem Arbeitgeber, der Wormser Volksbank, bei der er sich in eine führende Position hocharbeitete. Der aktuelle SBR-Präsident Klaus Kuhn schätzt Hofmanns „ehrliche, offene Art“ sowie „seinen großen Wissens- und Erfahrungsschatz“, den er gerne nutzte, um anderen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. „Herbert W. Hofmann ist durch sein altruistisches Handeln über all die Jahrzehnte ein Vorbild-Ehrenamtler gewesen. Er hat seine Ehrenämter nie als Last gesehen – sie waren seine Passion.“ So ganz und gar möchte sich der Hochgelobte aber doch noch nicht zurückziehen. Deshalb bat er Kuhn, ihn weiter zu Präsidiumssitzungen, zum Hauptausschuss und zu den Mitgliederversammlungen einzuladen und ihm die jeweiligen Protokolle zukommen zu lassen. „Ich bin sehr dankbar, dass ich meinen Teil zu der erfolgreichen Entwicklung unseres Sportbunds beitragen konnte“, sagt Hofmann und bedankt sich zum Abschied beim Präsidium und allen hauptamtlichen Mitarbeitern „für die jahrzehntelange vertrauensvolle Zusammenarbeit und Unterstützung meiner Anliegen.“

Zitat Klaus Kuhn: „Ein Ehrenamt auszuführen bedeutete für Herbert W. Hofmann all seine Kraft für die Bedürfnisse der Sportler*innen und für den Sport einzusetzen. Das macht man nur, wenn man gerne den direkten Kontakt zu seinen Mitmenschen sucht und auch will. Ganz besonders zeichnete ihn auch aus, dass er Verantwortung übernommen hat, für andere Menschen da zu sein und zu helfen. Alle rheinhessischen Sportler*innen und auch ich ganz persönlich wünschen Herbert einen erholsamen „Ruhestand“ und dass er noch lange das sportliche Geschehen in Rheinhessen und darüber hinaus mit großem Interesse und Vergnügen beobachten kann.“