Ein Arbeitsleben im Dienste des Sports 

Nach 36 Jahren beim Sportbund Rheinhessen geht Petra Bastian in den Ruhestand 

Immer lustig und agil, bei allen beliebt und geachtet – so umschreiben Kollegen beim Sportbund Rheinhessen Petra Bastian, die Abteilungsleiterin Qualifizierung und Breitensport. Ex-Kollegen muss es jetzt heißen, denn Bastian absolvierte am 30. Juni ihren letzten Arbeitstag. Mit ihr geht ein weiteres Urgestein des Sportbundes Rheinhessen in den Ruhestand. 36 Jahre, fast ein ganzes Arbeitsleben lang, war Bastian für den Sportbund tätig. Dabei wollte die aus einem Winzerbetrieb am Mittelrhein stammende Diplom-Sportlehrerin am liebsten in den Schuldienst eintreten. Doch die „Lehrerschwemme“ der 80er Jahre erschwerte dieses Vorhaben. In Bingen fand sie nach dem Studium an der Mainzer Gutenberg-Universität immerhin eine Teilzeit-Stelle als Sportlehrerin, neben der sie 1985 in Vertretung den Posten der Bildungsreferentin bei der Sportjugend Rheinhessen übernahm. Als ihre Vorgängerin – die spätere LSB-Präsidentin Karin Augustin – nach dem Mutterschutz nicht zurückkehrte, wurde aus dem Vertretungsjob eine Festanstellung, die sie mit großer Leidenschaft ausfüllte.  

Bei den Freizeiten der Sportjugend war Petra Bastian immer präsent und sorgte für gute Laune. Gleiches galt für Wochenend-Lehrgänge in der Sportschule Seibersbach, die sie auch nach dem Wechsel zum Sportbund mit Hingabe organisierte und teils selbst durchführte. Damals war es noch Usus, dass die Teilnehmer gemeinsam in der Sportschule übernachteten, was die Gemeinschaft förderte und zu vielen geselligen Abenden führte. Wenn Bastian dann morgens mit Liedern wie „Katzeklo“ von Helge Schneider den Weckdienst übernahm, war mancher Kater wie weggeblasen und es herrschte gleich wieder eine fröhliche Stimmung. „Die Lehrgänge in Seibersbach waren wirklich toll. Petra hat alle Leute gekannt und pflegte einen sehr persönlichen Umgang mit den Referenten. Dadurch hat sie ein unglaubliches Netzwerk geknüpft, von dem wir alle profitiert haben“, erinnert sich Ilka Knobloch, die kurz nach Bastian beim Sportbund anfing. „Die Zusammenarbeit mit ihr war sehr angenehm. Petra war sehr offen und aktiv, für alle immer ansprechbar.“  

Anfang 1988 als Bildungsreferentin noch mit 30 Wochenstunden zum Sportbund Rheinhessen gekommen, wurde ihre Stelle ab September endlich in Vollzeit aufgestockt. Der Leiter des Referats Ausbildung, Helmut Schmitt, machte Bastian zu seiner rechten Hand, sodass sie nach dessen Ausscheiden 1991 befördert wurde und seinen Posten übernahm. Geschätzt wurde Bastian nicht nur für ihr ausgezeichnetes Gedächtnis, sondern gerade dafür, dass sie einen engen Kontakt zu den Vereinen und den Übungsleitern pflegte. Dank ihrer guten Menschenkenntnis fand sie in vielen Situationen die richtigen Worte, die notfalls auch sehr deutlich ausfallen konnten. Speziell wenn jemand ungerecht behandelt wurde, ging sie dazwischen und sorgte für klare Verhältnisse. Nachtragend war sie dabei aber nie. Wichtiger war es ihr, für ein gutes Miteinander und eine motivierende Arbeitsatmosphäre zu sorgen – dass galt sowohl in ihrer Abteilung als auch bei den Lehrgängen. Streng war Bastian hingegen, wenn es um Ausbildungsinhalte und Prüfungen ging. Wer eine Lizenz erwarb, musste dafür auch etwas leisten – da gab es keine Nachsicht. Auch wenn es um Lizenzverlängerungen ging, wurden immer für alle die gleichen Regeln angewendet.  

Höchst engagiert war Bastian zudem bei der Organisation der Lehrtagung an der Universität Mainz, die sie selbst mitinitiiert hat. So setzte sie über mehr als drei Jahrzehnte Akzente in der Aus- und Fortbildung von Lehrern und Übungsleitern in Rheinhessen und hinterlässt große Fußstapfen für ihre Nachfolgerin Aline Bessling, auf die aber ein ganz anderes Arbeitsumfeld wartet, als Bastian es in den 80er und 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts vorfand. Heute fahren Lehrgangs-Teilnehmer zur Übernachtung nach Hause, finden immer mehr Seminare online statt. Entsprechend schwieriger wird es, Menschen wirklich kennenzulernen und Kontakte zu knüpfen. Bastian sieht in der Digitalisierung deshalb nicht nur Vorteile, sondern auch eine Gefahr für das klassische Vereinswesen. Wer möchte schon sein Ehrenamt ohne soziale Kontakte zuhause am Computer ausüben? Zusammenkunft und Geselligkeit sind prägende Faktoren des Vereinslebens, aus denen Ideen und Motivation gezogen werden. Diese Erfahrung hat Bastian auch in ihrer eigenen Vereinstätigkeit gemacht. Die TGM Gonsenheim war ihr sportliches Zuhause, wo sie lange Jahre Volleyball spielte und als Trainerin in der Jugendarbeit aktiv war. Seit 20 Jahren lebt sie nun in Essenheim und ist mittlerweile eine engagierte Tierschützerin. Besonders die Katzenhilfe liegt ihr am Herzen und wird im Ruhestand sicherlich zunehmende Aufmerksamkeit erhalten.  

Im Mai feierte Petra Bastian ihren 65. Geburtstag und zum 1. Juli ist sie nun in einen neuen Lebensabschnitt übergetreten. Die ehemaligen Kollegen und Repräsentanten des Sportbundes Rheinhessen wünschen ihr dazu alles erdenklich Gute und bedanken sich von ganzem Herzen für ihren unermüdlichen Einsatz, für ihr prägendes Wirken im Bildungswesen des Verbandes und ihre große Loyalität. „Mit Petra geht ein wahrer Schatz an Informationen, Wissen und Kontakten. Für den Sportbund beginnt ohne sie im wahrsten Sinne des Wortes eine neue Zeitrechnung”, weiß Geschäftsführer Thorsten Richter, welchen Wert Bastian für ihren Arbeitgeber hatte. Auch Präsident Klaus Kuhn findet zum Abschied lobende Worte: „Petra ist überall beliebt, bekannt und geachtet. Sie hat viele Jahrzehnte die Bildungsarbeit beim Sportbund geprägt. Wir wünschen ihr alles Gute für ihre wohlverdiente Rente.” Petra Bastian hat beim Sportbund viel bewegt und wird mit ihrer agilen Art sicher auch in Zukunft noch viel Bewegung in ihr Umfeld bringen. Denn was sie macht, das macht sie richtig.