„Sport bleibt Profiteur von Lotto“ Druckversion

Seit dreieinhalb Jahren ist Professor Dr. Salvatore Barbaro Vorsitzender des Aufsichtsrates von Lotto Rheinland-Pfalz. Der Volkswirt ist Finanzstaatssekretär des Landes Rheinland-Pfalz. Aus Anlass des 65-jährigen Bestehens des Unternehmens Lotto nimmt er Stellung zur Situation von Lotto, zu den Perspektiven und Entwicklungen.

Herr Professor Barbaro, Aufsichtsratsvorsitzender von Lotto zu werden, ist das ein Amt, nach dem man sich drängt?

Professor Barbaro: Es ist zweifelsfrei eine anspruchsvolle Aufgabe. Bei Lotto Rheinland-Pfalz kommt es ganz besonders darauf an, wirtschaftlichen Unternehmenserfolg und gesellschaftliche Verantwortung in Einklang zu bringen.

Vor 65 Jahren entstand Toto. Das war der Beginn einer Erfolgsgeschichte. War das damals eine der guten Entscheidungen für unser Land?

Professor Barbaro: Das war es ohne jeden Zweifel. Die Sportbünde Rheinland, Pfalz und Rheinhessen schufen Ende 1948 in Mainz-Gonsenheim die Toto-Gesellschaft. Das Land mit Ministerpräsident Peter Altmeier an der Spitze trug diese Idee mit und vergab die Konzession dafür. Bereits Mitte Januar 1949 fand der erste Toto-Spieltag statt.

Ihr Lieblingsverein Mainz 05 spielte da noch keine große Rolle.

Professor Barbaro: Das ist auch wahr. Mainz 05 spielte damals keine große Rolle. Andere Vereine gaben den Ton an: der 1. FCK, TuS Neuendorf, der FK Pirmasens, Wormatia Worms beispielsweise, und in Mainz war Weisenau damals bekannter als 05.

Aber die Idee war ja nicht, Fußballspiele zu veranstalten, sondern vom Wetten darauf zu profitieren.

Professor Barbaro: Der Gedanke war natürlich, mit dem Unternehmen Toto Geld zu verdienen. An der Zielsetzung, mit einem seriösen, vom Staat begleiteten Glücksspiel Mittel für das Gemeinwohl zu erwirtschaften, hat sich bis heute nichts geändert. Damals, Ende der 40er-Jahre, schuf der Sport das Unternehmen, um sich selbst wieder ein wenig auf die Beine zu helfen. Nach dem Krieg lag vieles, auch die Sportplätze, in Schutt und Asche. Mit der Toto-Gesellschaft entstand die Selbsthilfeeinrichtung des Sports.

65 Jahre später ist aus den bescheidenen Anfängen ein respektables Unternehmen geworden, das eine bewegte Geschichte hinter sich hat.

Prof. Barbaro: Ein Unternehmen mit vielen Höhen, aber auch Tiefen – wie bei fast jedem Unter-nehmen. Was bleibt, ist die überragende Bedeutung des Unternehmens über 65 Jahre für die Gesellschaft. Lotto Rheinland-Pfalz hat in überzeugender Weise in diesen Jahren bewiesen, dass Unternehmen nicht nur die Aufgabe haben, Geld zu verdienen, sondern dass sie immer auch eine soziale gesellschaftliche Verantwortung tragen. Dem sind wir bei Lotto gerecht geworden. Nicht nur im Sport, auch in der Kultur, der Denkmalpflege, dem Umweltschutz und ganz besonders im sozialen Bereich konnte und kann Lotto Rheinland-Pfalz ein verlässlicher Partner und Förderer sein. Im jeweils gegenseitigem Interesse. Und das erst recht seit der Schaffung unserer Lotto-Stiftung mit dem ehemaligen Finanzminister Gernot Mittler als Vorsitzenden des Stiftungsrates, mit Magnus Schneider als Vorsitzenden des Vorstandes und mit Frank Zwanziger als Geschäftsführer. Diese Stiftung lebt nicht für sich, sondern alleine für die Menschen, die Vereine und Verbände. Wenn wir sie nicht schon gegründet hätten, wir müssten sie sofort gründen.

Gibt es Zahlen, die für die wirtschaftliche Bedeutung des Unternehmens sprechen?

Professor Barbaro: Natürlich. Lotto hat in 65 Jahren einen Umsatz von 13,9 Milliarden Euro gemacht. Davon haben zunächst einmal die Gewinner profitiert. An sie ist fast die Hälfte dieses Betrages geflossen. Viele Menschen sind Millionäre geworden, und Millionen haben kleinere Gewinne einstecken können. Das Land hat in hohem Maße mit fast 6 Milliarden Euro profitiert und damit die Dinge fördern können, die eine Grundlage für das staatliche Glücksspiel sind. Die Themen nämlich, die dem Wohl aller Menschen dienen: Sport, Kultur, Soziales vor allem.

Das staatliche Glücksspiel hat aber auch noch andere Aufgaben, neben der Förderung des Gemeinwohls. Sind die Verhinderung von Spielsucht oder die Sicherung von Jugendschutz in unserer Zeit noch erklärbare Aufgaben für eine staatliche Lotto-Gesellschaft?

Professor Barbaro: Ob es immer erklärbar, ob es richtig verstanden ist, vor allem in einer Wettbewerbssituation mit privaten Anbietern, das weiß ich manchmal auch nicht. Aber es muss eine wichtige Aufgabe bleiben. Wir müssen uns genau in diesem Punkt unterscheiden. Wir wollen wirtschaftlichen Erfolg, aber wir wollen nicht, dass er um den Preis stattfindet, dass Menschen süchtig werden oder dass wir vergessen, dass Jugendliche unter 18 Jahren nicht bei uns spielen können. Ich will in diesem Zusammenhang allen Annahmestellen von Lotto ein großes Kompliment machen, weil sie gerade in diesen Aufgaben eine ganz großartige Arbeit leisten. Ich weiß, dass gerade die Annahmestellen die Restriktionen der letzten Jahre oft nicht verstanden haben. Aber ich bin sicher, dass wir gestärkt aus dieser Diskussion der jüngsten Vergangenheit herauskommen werden. Lotto wird noch bewusster wahrgenommen werden als eine Marke des Glücksspiels, der man vertrauen kann.

Annahmestellen verstehen auch nicht, dass Lotto wieder über das Internet spielbar ist.

Professor Barbaro: Ich weiß das. Aber wären wir denn klüger beraten, wenn wir das Internet allein den Privaten überlassen würden? Die Annahmestellen bleiben der wichtigste Teil unseres Vertriebs. Aber wir müssen auch im Internet stark werden. Wenn wir dabei feststellen, dass der Umsatz im Internet passiv zu Lasten der Annahmestellen ginge, dann müssen wir über Wege der Beteiligung der Annahmestellen nachdenken.

Das Land und der Sport, die drei Sportbünde, sind die Gesellschafter von Lotto. Das Land mit 51 Prozent und der Sport mit 49 Prozent. Ist das auch das Modell der Zukunft?

Professor Barbaro: Dieses Miteinander ist die Grundlage der Erfolgsgeschichte von Lotto Rheinland-Pfalz. Und so wird es auch bleiben. Der Sport ist mit seinen fast 1,7 Millionen Mitgliedern in den Vereinen die Basis des Unternehmens. Sie sind Partner und Kunden zugleich. Es ist absolut legitim, dass der Sport dafür auch erwarten kann, dass er am Gewinn des Unternehmens beteiligt wird, dass es ein Sponsoring des Sportes gibt oder beispielsweise eine finanzielle Beteiligung der Fußballverbände am Umsatz von Toto und ODDSET. Sie sind es, die den Erfolg bei den Sportwetten erst möglich machen. Im Übrigen kommt dabei auch kein anderer Lebensbereich zu kurz. Der Sport hat vor 65 Jahren dieses Unternehmen begründet und er wird heute wie morgen Gesellschafter und Profiteur sein.